Ev. Dekanat an der Dill

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Impuls

Bloss nicht verbittern

Darf man sich angesichts der Schreckensnachrichten aus der Ukraine noch am Leben freuen? Anja Vollendorf hat den Jahreswechsel mit Sofia aus der Ukraine gefeiert. Sie war von der über 70jährigen Frau beeindruckt - warum, das schreibt sie hier.

Sofia kommt aus der Ukraine. Mit ihr und anderen habe ich Silvester gefeiert. Sie ist über 70 Jahre alt. Und sie erzählte mir auf unserer Altjahres-Party, dass sie sich das erste Mal seit drei Jahren zum Jahreswechsel freuen konnte. Im ersten Jahr sprach sie unsere Sprache noch nicht so gut. Im zweiten Jahr war sie krank. Und erst im dritten Jahr in Deutschland hat sie sich auf das Fest richtig gefreut. Sie war fröhlich, erzählte viele schöne Geschichten und tanzte. Sie freute sich über all das Gute, dass sie erlebt. Und es ist nicht unredlich gegenüber dem Krieg in ihrer Heimat sich zu freuen.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine begann im Februar 2022. Und was ist ein Mensch, der sich über Jahre nicht freuen kann. Trotz Leid, Trauer und Wut muss auch die Freude ihre Zeit haben, damit der Mensch nicht verzweifelt. „Freue dich über all das Gute, das Gott dir und den Deinen gibt.“ Der Spruch aus den Herrnhuter Losungen ist dem Monat Februar zugedacht und stammt aus dem 5. Buch Mose 26,11a. Mit den „Deinen“ ist in der hebräischen Bibel nicht nur die eigene Familie gemeint, sondern es ist der ganze Sozialraum im Blick. Es sind die, die mit mir zusammen leben und arbeiten, auch „die Fremden, die in Deiner Mitte sind“ (Vers 11b).

Und das Gute ist sicher auch eine materielle Grundlage, die menschenwürdiges Leben ermöglicht. Aber das Gute ist auch ein geschenktes Lächeln, miteinander tanzen, einander danken, miteinander spielen, Geschichten aus der eigenen Heimat erzählen, sei es, dass sie sich am Dnjepr oder an der Dill ereignen. Und sich an die Freude erinnern lassen, dass Gott uns allen Gutes gibt, lohnt. Wenn uns nur das Schlechte aus unserer krisengeschüttelten Welt einfällt, ist das nicht alles.

Wer sich nicht mehr freuen kann, und wer Gutes weder entdecken noch dankbar darüber sein kann, hat es schwer im Leben, verkürzt und verbittert es. Also freuen wir uns über das Gute, das Gott uns im Leben schenkt. Wie auch die religiös Unmusikalischen unter Ihnen sich freuen können über das, was ihnen das Leben schenkt.

Übrigens beginnen Mitte Februar wieder die tollen Tage. Die heiße Phase des Karnevals mag den einen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und in anderen Fluchtgedanken wecken. Egal – die Freude lässt sich nicht auf einen einzigen Anlass begrenzen.

 

Anja Vollendorf ist Pfarrerin in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach und stellvertretende Dekanin im Dekanat an der Dill

 

 

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