Ev. Dekanat an der Dill

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Verabschiedung

Ein Dolmetscher und Seelsorger für Gehörlose

Becker-von Wolff

Seit 1990 ist Pfarrer Detlef Schmidt einer von mehreren Gehörlosenseelsorger in der EKHN. Für die seelsorgerliche Arbeit hat er eigens die Gebärdensprache erlernt. „Das Schwierige an der Gebärdensprache ist, dass sie die Lautsprache nicht Wort für Wort übersetzen kann. Es ist eher eine Bildsprache“, sagt er. Ende Juni geht er in den Ruhestand.

Becker-von Wolff

Etwa sechstausend gehörlose Menschen gibt es in Hessen, schätzungsweise 80.000 in Deutschland. Viele von ihnen leben aufgrund ihrer Behinderung völlig isoliert. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bietet Gehörlosen ein Netzwerk von Gehörlosen-Seelsorgern an. Die Pfarrerinnen und Pfarrer sind besonders geschult und gestalten Gottesdienste in Gebärden-Sprache. Einer von ihnen war Pfarrer Detlef Schmidt aus Dillenburg. Der Pfarrer wird am Sonntag, 28. Juni 2020 in Kirburg in den Ruhestand verabschiedet, wo er mit einer weiteren halben Stelle als Gemeindepfarrer verortet war.

Seit 1990 war Pfarrer Detlef Schmidt Gehörlosenseelsorger in der EKHN. Für seine seelsorgerliche Arbeit hat er eigens die Gebärdensprache erlernen müssen. „Das Schwierige an der Gebärdensprache ist, dass sie die Lautsprache nicht Wort für Wort übersetzen kann. Es ist eher eine Bildsprache“, sagt er und fügt an, dass er manchmal die Gemeinde nach der richtigen Gebärde fragen muss.

Die Gesten haben den Vorteil, mit einer Gebärde gleich mehrere mögliche Informationen übertragen zu können. „Allerdings gibt es keine universelle Gebärdensprache. In nahezu jedem Land hat sich eine eigene Gebärdensprache in Anlehnung an die jeweils umgebende Kultur entwickelt“, sagt Schmidt.

Allein im deutschsprachigen Raum gibt es die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die so genannte Lautsprachbegleitende Gebärde (LBG), die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) und auch die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS). So kann es bei den Begegnungen Gehörloser manchmal auch zu Missverständnissen kommen. „Es hat lange gedauert, bis die Deutsche Gebärdensprache 2002 als Sprache anerkannt wurde, die in den Schulen unterrichtet werden darf“, kritisiert der Theologe. Aber: „Hessen war da einer der Vorreiter.“

Erste Gemeinde in Herborn um 1910

Gottesdienste in Gebärdensprache haben im Dekanat an der Dill - genauer gesagt in Herborn - eine lange Tradition. „Hier wurden nachweislich um 1910 Gehörlosengottesdienste gefeiert“, berichtet er. Damals hielten die Pfarrer die Predigt in Lautsprache und zeigten simultan mit einem Zeigestock auf wichtige Sätze aus der Predigt, die sie zuvor auf einer Tafel angeschrieben hatten. So konnten gehörlose Menschen den Gemeinde-Gottesdienst mitverfolgen.

„Gehörlose wollen ihre Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen leben“, sagt Pfarrer Schmidt, „als Seelsorger möchte ich die Menschen aus ihrer Isolation holen. Die Begegnung mit anderen Gehörlosen ist da der erste Schritt.“ Die Integration gehörloser Menschen in das Leben hörender Gemeinden ist schwierig.

Meist aus Unwissenheit kommt es zu einem falschen Umgang. So werden gehörlose Menschen fälschlicherweise als „taubstumm“ bezeichnet. „Das klingt diskriminierend, weil gehörlose Menschen nicht stumm und eigentlich sehr kommunikativ sind“, sagt Detlef Schmidt, „die Integration gehörloser Menschen ist im Alltag auch deshalb schwierig, weil die Behinderung äußerlich nicht auffällt. Hörende irritiert es manchmal, diese ungewöhnliche Stimme zu hören, wenn gehörlose Menschen sprechen oder plötzlich mit den Händen reden sehen.“

Oft werde auch in kirchlichen Kreisen erwartet, Gehörlose mögen sich bitte integrieren. „Doch wie soll das gehen, wenn Gehörlose etwa nur ein Drittel der Lautsprache vom Mund ablesen können? Der Rest muss erraten werden“, sagt Schmidt. Das führe im Alltag zu Problemen.

200 Menschen zwischen Marburg und dem Westerwald betreut

Der Gehörlosenseelsorger betreute etwa 200 Menschen in einem großflächigen Gebiet zwischen Marburg, Biedenkopf, Herborn, Gießen und dem Westerwald. „Ich stand für Amtshandlungen wie Taufen, Trauung und Beerdigungen ebenso zur Verfügung wie für Seelsorge“, sagt Schmidt, der auch bei Amtsgängen Gehörlose begleitet und als Dolmetscher fungiert. Zweimal im Monat bot Pfarrer Schmidt Gehörlosen-Gottesdienste in Biedenkopf-Wallau und in Herborn an.

Detlef Schmidt bediente sich nicht allein der Gebärdensprache, um den Gläubigen, die sich im Bürgerhaus versammelt haben, Gebet, Lesung, Predigt, Vater unser und die Fürbitten nahe zu bringen. Ausgesuchte Bilder und Texte in einer Video-Präsentation unterstreichten die Gottesdienst-Liturgie. „Gehörlose sind ‚Augenmenschen’ - das Visuelle hat in der Welt der Gehörlosen eine große Bedeutung“, sagt Pfarrer Schmidt.

Die Gottesdienste für die Augen berühren: Denn viele der Bilder und Gebärden überzeugen, weil sie – viel stärker als Worte – Empfindungen ausdrücken.

Ist vom Himmel die Rede, gehen Blick und Arme ehrfürchtig in die Höhe, ist Jesus Christus gemeint, wird auf die Wundmale in den Händen gedeutet: Gebärdensprache ist eine Schule des Sehens. „Manche abstrakten Begriffe sind Gehörlosen, die von Geburt an taub sind, kaum zu vermitteln", weiß der Pfarrer, „denn die Begriffswelt des Menschen baut sich über das Hören auf." In seinen Gottesdiensten benutzt er darum eine möglichst einfache und bildreiche Sprache.

 

» Weitere Ansprechpartner:

In der EKHN ist die Gehörlosenseelsorge an das Zentrum Seelsorge und Beratung in Friedberg angegliedert.

 

» Kontakt:

Zentrum Seelsorge und Beratung,
Fachbereich Behindertenseelsorge
Dr. Raimar Kremer
Kaiserstraße 2
61169 Friedberg
Telefon 0 60  31 / 16 29 50

 

Die Gehörlosenseelsorger in der EKHN:


» Herborn und Marburg-Biedenkopf:
Pfarrer Detlef Schmidt
Telefon 0 27 71 / 82 93 50
Fax 0 27 71 / 82 92 75


» Gießen und Lauterbach:
Pfarrer Wolfgang Kratz
Telefon 0 66 44 / 356
Fax 0 66 44 / 78 52
Mail: w.a.kratz@gmx.de


» Limburg, Bad Camberg und Wiesbaden:
Pfarrer Burkhard Jacobs
Telefon 0 64 32 / 92 3 05
Fax 0 64 32 / 92 3 03
Mail: lm-wi@gehoerlosen-seelsorge.de


» Frankfurt und Offenbach:
Ev. Gehörlosengemeinde
Pfarrer Gerhard Wegner
Telefon 0 69 / 45 92 37
Fax 0 69 / 45 94 80
Mail: egg@gl-frankfurt.de


» Friedberg:
Pfarrerin Julia Held
Telefon 0 60 31 / 16 15 426
Fax 0 60 31 / 16 15 415
Mail: julia.held.dek.wetterau@ekhn-net.de


» Mainz und Worms:

Pfarrerin Birgit Gobat-Bernhard
Telefon 0 61 36 / 95 42 204
Fax 0 61 36 / 95 42 205
Mail: Mail: ev.ghl-seelsorge-mz-wo@t-online.de


» Darmstadt und Reinheim:
Pfarrerin Brigitte Kapraun
Telefon 0 61 51 / 42 52 70
Fax 0 61 51 / 42 52 83
Mail: ev.gehoerlosenseelsorge.darmstadt@ekhn-net.de

In der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) gibt es Ansprechpartner in Marburg, Kassel, Bad Hersfeld, Eschwege und Fulda.

» Kontakt:
Gehörlosenseelsorge in der EKKW
Geschäftsstelle
Lessingstraße 13
34119 Kassel
Telefon 0561 / 109 91 72
Fax 0561 / 109 91 68

 

 

 

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