„Ich werde den Tag nicht vergessen, an dem mir dieser Text zum ersten Mal eindrücklich geworden ist. Es war auf einem Zusammensein von jungen Deutschen und jungen Franzosen; wir waren zusammengekommen auf dem gemeinsamen Boden der Kirche und wollten hier über die Dinge sprechen, die zwischen uns liegen, wollten uns unter das Gebot Gottes in unserer Stunde stellen, unter das Gebot >Friede auf Erden<..., und da wurde uns allen Angst, da wurde uns Bange um unsere Botschaft... Und als wir so etwas erschrocken beisammen waren, da las ein junger Franzose eben diese Worte... Und als er zu den Worten (an Daniel) kam: >courage, courage, Friede sei mit dir<, - da war uns allen so, dass wir nachher hätten sprechen können: Nun rede, Herr, denn du hast uns gestärkt!“[4]
Zwei Jahre später musste Dietrich Bonhoeffer predigen „nun wird die Sache gefährlich. Nun sind wir nicht mehr Zuschauer, Beobachter, Richter dieser Geschehnisse. Nun sind wir selbst die Angeredeten.“[5]
Trotz der Möglichkeiten, im Ausland zu bleiben und dort zu arbeiten, kehrte er 1939 aus den USA nach Deutschland zurück. Er wollte die schwierige Zeit dieser nationalen Geschichte mit den Christen in Deutschland durchleben und engagierte sich im Widerstand um Hans von Dohnanyi, Hans Oster und Wilhelm Canaris.
Am 5. April 1943 wurde Dietrich Bonhoeffer verhaftet und in das Gefängnis Tegel in Berlin eingeliefert. Von Oktober 1944 bis Februar 1945 inhaftierte man ihn in dem Gestapokeller der Prinz-Albrecht-Straße. Nachdem die Gestapogebäude durch mehrere Luftangriffe schwer beschädigt wurden, zog ein Sondertransport mit Häftlingen in das KZ Buchenwald. Von dort konnte Bonhoeffer schon den Geschützdonner der Front hören. Am 3. April 1944 wurde er in Richtung Bayerischer Wald und letztendlich in das KZ Flossenbürg gebracht. Zwei Tage später fällte Hitler während der Mittagsbesprechung die Entscheidung, dass die Gruppe um Canaris und somit auch Dietrich Bonhoeffer getötet werden muss.
Rüdiger Klees
[1] Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd.11, Gütersloh 1994, S. 75f, Brief an Pierre C. Toureille vom 27. 3. 1932
[2] DBW, Bd.11, S.358, Erster Bericht über die Jugendkonferenz des Weltbundes, ursprünglich abgedruckt in „Die Eiche“ 20 (1932), 365-367
[3] DBW, Bd.11, S.94, Ansichtskarte aus Limburg an der Lahn mit Poststempel vom 14.7.1932 an Erwin Sutz
[4] Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer, München 1967, S.294
[5] Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer, S.433f