Kirchengemeinde Nenderoth
Teil der Gesamtkirchengemeinde Westerwald mit Sinn
Seit dem 1. Januar 2024 gibt es den Nachbarschaftsraum Westerwald mit Sinn, der bis 2027 zur Gesamtkirchengemeinde Westerwald-Sinn zusammenwachsen wird. Dazu gehören die Kirchengemeinden Beilstein-Rodenroth, Breitscheid-Medenbach, Driedorf (mit Heiligenborn, Heisterberg, Hohenroth, Gusternhain, Mademühlen, Münchhausen, Rodenberg, Seilhofen und Waldaubach), Fleisbach-Merkenbach, Hörbach (mit Hirschberg und Guntersdorf), Nenderoth (mit Arborn, Mengerskirchen, Odersberg und Winkels), Schönbach (mit Erdbach und Roth) und Sinn.
Zur Kirchengemeinde Nenderoth gehören die Greifensteiner Ortsteile Arborn, Nenderoth und Odersberg und auch die überwiegend katholischen Ortschaften Mengerskirchen und Winkels. Nenderoth liegt in reizvoller Landschaft, umrahmt von den Höhenzügen des Kahlenberges (460 m) und des Knotens (605 m) am Oberlauf des Kallenbaches. Der Ort ist einer der ältesten Ortsteile der Gemeinde Greifenstein. Die Gottesdienste finden im Wechsel in den Orten Nenderoth, Arborn, Odersberg und Mengerskirchen statt.
Besonderheiten in Nenderoth
Topografisch zwar noch der rauen Westerwaldregion zugehörig, bestimmen die klimatischen Vorzüge der Südhanglage hier ein reichhaltiges Bild heimischer Fauna und Flora. Dies brachte dem Dorf schon früh das Prädikat "Nizza des Westerwaldes" ein. Bereits im Jahr 993 wird Nenderoth erstmals urkundlich erwähnt. Die damals schon vorhandene Infrastruktur, neben Häusern und ihren Bewohnern werden auch Mühlen und bereits eine Kirche genannt, deutet darauf hin, daß die Erstbesiedlung des Ortes sicher erheblich früher gesehen werden muss.
Durch die frühe Kirchengründung gewann das kleine Knotendörfchen in der Folgezeit an zentraler Bedeutung. Der Ort wurde Sitz des Kirchspiels und Mittelpunkt der "Calenberger Cent", eines alten Verwaltungsbezirks, der seinen Namen vom nahen Kahlenberg ableitete.
Im Jahr 1310 verliehen die Herren von Merenberg Nenderoth eine eigene Gerichtsbarkeit. Gerichtsstätte war die in der Urkunde erwähnte "Halle zu Nenderoth", die an der Südwand der Kirche angebaut war. Als eines der drei Schöffengerichte der Herrschaft Beilstein existierte es noch bis ins 18. Jahrhundert.
Auch finden wir bereits um 1580 eine Kirchspielsschule, die von den Kindern des gesamten Sprengels, bestehend aus den Orten Arborn, Odersberg, der Hälfte des durch den Ulmbach getrennten Münchhausens und dem heute nicht mehr existierenden Cödingen, besucht wurde.
Furchtbare Pestepidemien, die das gesamte Knotengebiet heimsuchten und die verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges machten die Dörfer des Nenderother Kirchspiels zur fast menschenleeren Wüste und vernichteten die kulturelle und wirtschaftliche Substanz auf Jahrzehnte. Das Jahr 1641 verzeichnet noch ganze 5 Haushaltungen im Ort.
Kriegswirren und die politischen Umwälzungen der folgenden Jahrhunderte ließen die Bedeutung Nenderoths nach und nach auf einen Stand absinken, den der Ort bis ins 20. Jahrhundert behielt: ein bäuerlich geprägtes Dörfchen, in dem neben spärlichem Kleinhandwerk die Landwirtschaft einzige Erwerbsquelle für seine Bewohner darstellte.
Der Strukturwandel der 50er und 60er Jahre drängte die landwirtschaftlichen Betriebe auch hier mehr und mehr zurück, so daß wir heute eine fast reine Arbeiterwohngemeinde vorfinden. Zudem bieten zwei Elektronikfirmen im Ort einige Arbeitsplätze. Durch die zahlreichen Teilnahmen am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden", bis hin zum Bundesentscheid, veränderte sich das Gesicht des Dorfes positiv. Mehrfach ausgezeichnet zählte der Ort zu den schönsten Hessens.
Die waldreiche Landschaft um Nenderoth wird geprägt durch das reizvolle Tal des Kallenbachs und die markanten Höhenrücken, die nach drei Seiten hin den Horizont formen. Eine landschaftliche Besonderheit zeigt sich im Bergwald oberhalb Nenderoths: Hier stürtzt sich der Layenbach über die Felsen einer Geländekante und bildet den "Nenderother Wasserfall".
Ein weiteres Naturdenkmal findet sich unweit der Obershäuser Gemarkunsgrenze: Die "Tausendjährige Eiche", die am Weg zur Johannisburg, einem ehemaligen Jagdschlösschen der Beilsteiner Grafen ihr breites Blätterdach ausbreitet. Ganz in der Nähe plätschert der Sauerborn, eine natürliche Mineralquelle, die ein eisenhaltiges wohlschmeckendes Wasser liefert.
Ein Gang durchs Dorf führt uns an zahlreichen Bau- und Kulturdenkmälern vorbei. Neben schmucken Fachwerkhäusern findet sich die aus massivem Bruchsteinmauerwerk errichtete "alte Schule", die noch vorhandenen gußeisernen Dorfbrunnen und die aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende Wehrkirche. Sie zeigt, noch weitgehend unverfälscht, die Formen des Übergangsstils und beherbergt im Turm ein vierstimmiges Geläut, darunter die ältesten Glocken aus dem 14. und 15. Jahrhundert.
Den Dorfmittelpunkt prägt von je her das alte Backhaus, in dessen Obergeschoß ein kleines Museum seinen Platz gefunden hat: die "Nenderother Heimatstube".
Dieter Pfeiffer
Kirchenbücher digital ab 1602
Die Kirchenbücher von 1606 an bis 1875 sind der Evangelischen Kirchengemeinde in Nenderoth erhalten geblieben. Das älteste Nenderother Kirchenbuch stammt aus dem Jahr 1602 und wurde angelegt von Pfarrer Jost Dieffenbach, der von 1597 bis 1606 der Pfarrei Nenderoth vorstand. Dieter Pfeifer hat die 21 Kirchenbücher systematisch ausgewertet.
Die Kirchenbücher von Nenderoth sind ab 1602 recht vollständig vorhanden und unter www.nenderother-heimatstube.de in einer Abschrift veröffentlicht.
„Heilig-Kreuz-Kirche“: Wurzelgrund & Ökumenische Tradition
An historischer Stätte am Galgenkopf zwischen Mengerskirchen und Greifenstein- Arborn feiern katholische und evangelische Christen Mitte Juli aus beiden Orten einen ökumenischen Gottesdienst. Hier auf dem Platz der ehemaligen „Heilig-Kreuz-Kirche“ unter der uralten hohlen Linde und dem gusseisernen Kreuz ist vermutlich der Ursprungsort des Christentums in dieser Gegend. Es ist der geistlich-historische Wurzelgrund der beiden Gemeinden.
In den Wirren der Reformation verfiel die Kapelle und an die Stelle der Gemeinsamkeit trat durch die konfessionellen Unterschiede zwischen beiden Dörfern Auseinandersetzung und Streit. Dieser ist schon länger beendet. Jetzt haben sich Menschen zusammengefunden, um diesen Ort als entscheidenden Ort gemeinsamer Geschichte um eine Kirche herum wieder lebendig zu machen und über diesen Ort, die Gemeinschaft der beiden Dörfer zu fördern.