Wenig spektakulär verlief am vergangenen Samstag die Herbstsynode des Evangelischen Dekanats an der Dill in Oberscheld. Das Regionalparlament der regionalen Evangelischen Kirche erwartete mit Spannung den Bericht des Dekans Andree Best zur Hälfte seiner Amtsperiode und die Neuerungen in der Kirchenverwaltung.
Gleich zu Anfang der Herbstsynode machte Pfarrer Hartmut Eglinsky aus Dillbrecht deutlich, worum es bei allen Veränderungen geht: „Als in der Urgemeinde die Organisation verändert werden musste, um den Bedürfnissen der noch jungen Kirche nachzukommen, suchte man Menschen, die auch für die praktischen Dienste ein geistliches Profil mitbringen.“ Das sei auch für die anstehenden Veränderungen in der heutigen Kirche wichtig, nicht nur auf das fachliche können, sondern auch auf den Glauben zu schauen.
In einer schwankenden Gesellschaft wirkt Kirche stabilisierend
In seinem Grußwort nahm Landrat Carsten Braun diesen Faden auf: „Als Kirche und Kommune müssen wir uns fragen, für wen wir arbeiten – nämlich für Menschen.“ Braun würdigte den Einsatz gerade der ehrenamtlich Engagierten und zeigte sich erstaunt über die vielen jungen Menschen, die er auf dem Kirchentag vor zwei Wochen wahrgenommen habe. „Bei der Frage, wohin sich unsere Gesellschaft aktuell entwickelt, sehe ich die Kirche als wichtigen Faktor beispielsweise in den vielen Kitas im Kreisgebiet, in der sich die Kirche und ihre Mitarbeitenden einbringen.“ Dekan Andree Best griff diesen Faden in einem Bericht auf und ergänzte: „Mit über tausend Menschen in Lohn und Brot ist Kirche in unserer Region einer der größten Arbeitgeber."
Vertrauen statt Misstrauen – Zuversicht statt Schlechtrederei
„Ich will heute keinen klassischen Bericht geben zur Amtshalbzeit“, fuhr der Dekan fort. Er könne erzählen von vielen inspirierenden Gottesdiensten und Begegnungen oder der Menge an Veränderungen. Aber er wolle Hoffnung machen, nichts schönreden, sondern allen Entwicklungen das „trotzdem“ entgegensetzen. „Als Christen haben wir eine große Hoffnung, auch dass Gott seine Kirche erhalten wird“, unterstrich der Dekan. „Wir brauchen Vertrauen in die Haupt- und Ehrenamtlichen, in die Verkündigungsteam und Kirchenvorstände und wir dürfen uns nicht kleinreden!“ Misstrauen und Schlechtrederei gäbe es in der Gesellschaft genug. Und die christliche Nächstenliebe lasse keinen Raum, wo die Menschenwürde mit Füßen getreten würde. „Kirche kann und darf sich daher nicht aus der Welt zurückziehen. Gemeinsam tragen wir die Kirche. Und ich wünsche mir ein miteinander Handeln, auch wenn wir im Vorhinein nicht alles wissen.“ Neue Wege zu finden und zu gehen und Neues auszuprobieren sei angesagt, machte der Dekan deutlich. „Bei allen Verwaltungsvorschriften und Veränderungen müssen wir uns fragen, ob es den Menschen dient.“
Kirchenverwaltung wird sich verändern
Besonders der Bericht von René Fünders, Leiter der Regionalverwaltung – diese ist u.a. zuständig für Haushaltspläne, Jahresabschlüsse und Buchhaltung des Dekanats mit ihren fünf Nachbarschaftsräume und den Kirchengemeinden in der Region – wurde mit Spannung erwartet. „Die Umstellung auf die Nachbarschaftsräume und fusionierte Gemeindebüros fordert uns weiterhin stark heraus. Nach intensiven Diskussionen in den Gremien werden die bisherigen Regionalverwaltungen aufgelöst und schon zum Ende des Jahres in die Kirchenverwaltung integriert.“ Ab Januar 2027 werde es dann Verwaltungsleiter im Dekanat geben und ab April hauptamtliche Büroleitungen in den Gemeindebüros geben. „Ihr Dekanat gehört dabei zu den ersten Dekanaten, wo das umgesetzt wird.“ Fünders verabschiedete sich von den Synodalen, da er in der Kirchenverwaltungen andere Aufgaben übernehmen werde. „Ich war immer gerne bei Ihnen und habe das wertschätzende, konstruktive Miteinander geschätzt.“
Veränderung auch bei Kirchenvorstandswahlen 2027
Erstmals wird es bei der Kirchenvorstandwahl am 6. Juni 2027 keine Wahllokale geben. „Die Wahl läuft online im Zeitraum 26. April bis 23. Mai“, erklärte Dekan Andree Best. Briefwahl können beantragt werden bis zum 6. Juni. Bis Ende 2026 gelte es, geeignete Kandidaten zu finden. „Wir wollen uns dabei fragen, wen wir brauchen, welche Kompetenzen nötig sind und welche Gaben in der Gemeindeleitung wichtig sind.“
Kirchentage und Beratungsstelle
Positive Rückmeldungen gaben die rund 50 Synodalen zum Dekanatskirchentag Mitte September in Herborn: überraschend lebhaft, bunt und vielfältig, gute Stimmung, viele Begegnungen – was wolle man mehr. „Auch der Gottesdienst mit tausend Leuten zu feiern war großartig. Das hat gezeigt: Wir sind nicht allein unterwegs“, fasste es eine Pfarrerin zusammen.
Zu den Tagesordnungspunkten der Herbstsynode gehörte auch der Bericht von Annette Isheim, Leiterin der Beratungsstelle an der Dill: „Zu uns kommen Menschen, die in akuten Krisen stecken oder belastende Situationen in der Familie, Ehe und der Kindererziehung erleben oder auch Gewalt und Stress erleben.“ Präses Dr. Wolfgang Wörner würdigte die wichtige Arbeit der Beratungsstelle. „Damit wir diesen Service weiter anbieten können, weise ich auf die Möglichkeit der finanziellen Beteiligung an unserer Stiftung hin.“
Die Synodalen wählten außerdem die Gemeindepädagogin Christina Best zur Dekanatsbeauftragten für den Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf stattfindet. Ihre Vertreterin ist Pfarrerin Claudia Sattler.