Im Evangelischen Dekanat an der Dill gibt es mit Martina Umar eine weitere Ansprechpartnerin für alle Menschen, die einen Verlust erlitten haben, und zwar unabhängig von Glaube oder Konfession.
Die 66-Jährige ist ausgebildete Trauerbegleiterin (zertifiziert nach den Richtlinien des Bundesverbands für Trauerbegleitung e.V.) und ehrenamtlich tätig.
Die Nachricht von einem Tod fühlt sich oft an, als käme ein wildes Tier und würde den wichtigsten Menschen im eigenen Leben wegreißen. Eigentlich alle Menschen wissen beim Tod eines vertrauten Menschen nicht, wie es weitergehen soll. Doch die menschliche Seele hat eine Art Programm entwickelt, um das eigene Weiterleben zu ermöglichen – das ist der Trauerprozess.
„Trauer ist ein Prozess, es ist die Anpassung an ein Leben mit dem Verlust“, sagt Martina Umar und zitiert ihre Ausbilderin Chris Paul: „Trauern ist die Lösung, nicht das Problem!“
Trauern ist auch deutlich mehr als das Gefühl „Traurigkeit“. Trauerprozesse enthalten viele starke Gefühle, gleichzeitig viele wirre Gedanken und wirken sich auf den ganzen Körper aus. Trauern ist körperlich anstrengend und meist mit Erschöpfung und Müdigkeit verbunden. Der Trauerprozess ist kein geradeaus laufender Weg, kein Massenlauf mit der gleichen abgesteckten Wegstrecke für alle. Jeder Mensch läuft seinen eignen Weg mit seiner eigenen Geschwindigkeit. Wenn ein naher Mensch gestorben ist, dauert dieser Weg durch die verschiedenen Trauerfacetten oft mehrere Jahre.
Dafür besteht in unserer schnelllebigen, auf Produktivität ausgerichteten Gesellschaft oft wenig Verständnis. Trauernde sollen möglichst schnell wieder „normal“ funktionieren.
Die Unterstützung von Familienangehörigen, Freunden und Nachbarn reicht meist als Wegbegleitung für Trauernde. Gut gemeinte Sätze wie „Melde dich, wenn du was brauchst oder reden willst“ überfordern Trauernde und sind daher nicht hilfreich. Wenn Sie helfen möchten, machen die konkrete Angebote wie z.B. „Wollen wir am Dienstag zusammen einen Kaffee trinken?“ oder „Soll ich die Kinder mit zum Sport nehmen?“. Geben Sie nicht auf, auch wenn viele Male ein Nein kommt. Zeigen Sie sich zum Zuhören bereit, aber dass es auch okay ist, wenn der/die Trauernde nicht reden will. Signalisieren Sie, dass auch eine kurzfristige Absage oder ein frühzeitiges Aufbrechen vollkommen in Ordnung sind.
Als Trauernde schauen Sie bitte nach Ihren Bedürfnissen und versuchen nicht noch, die vielen unterschiedlichen Erwartungshaltungen anderer zu erfüllen.
Das Bild einer Brücke aus einer Predigt von Pfarrerin Bettina Marloth beschreibt Trauerbegleitung durch uns alle ganz gut. „Wir sind das Geländer auf der Brücke, und der/die Trauernde selbst entscheidet, ob und wann er nach dem Geländer greift.“
Gerne stellt sich Martina Umar als fachliche Unterstützung zur Verfügung.
Durch eigene Verlusterfahrungen ist sie vor 20 Jahren zur Hospizarbeit gekommen. Nach langjährigen Erfahrungen als Sterbebegleiterin im ambulanten Hospizdienst, in der Demenzbetreuung und in der rechtlichen Betreuung hat sie eine eineinhalbjährige Weiterbildung „RessourcenAktivierende Trauerbegleitung“ nach den Standards des Bundesverbands für Trauerbegleitung absolviert. Wichtig ist ihr, dass sich alle Menschen unabhängig von Glauben/Konfession angesprochen fühlen.
Ab Oktober 2026 wird sie gemeinsam mit Pfarrer Föste aus der Alten-, Kranken- und Hospizseelsorge auch eine Trauergruppe für Menschen, die ihre/n Partner/in verloren haben, anbieten.
Im Evangelischen Gemeindehaus Herborn am Kirchberg hat sie einen Rückzugsraum gefunden. Trauernde können sich per Telefon unter 0151 44988796 bei ihr melden und ein Gespräch vereinbaren. Die Trauerbegleiterin ist auch per E-Mail zu erreichen unter Martina.Umar(at)ekhn.de