Licht durchbricht die Nacht

veröffentlicht 03.04.2026 von Nele Fornoff, Dekanat an der Dill

Ostern beginnt im Dazwischen. Ein Impuls von Nele Fornoff.


Es ist noch dunkel. Die Welt hält den Atem an, als wolle sie den Tag nicht zu früh wecken. Die Straßen sind leer, nur meine Schritte begleiten mich auf dem Weg zur Kirche. Ein kühler Hauch liegt in der Luft und irgendwo beginnt ein Vogel zaghaft zu zwitschern, als ahne er, was dieser Morgen in sich trägt.

Ostern beginnt im Dazwischen. Zwischen Nacht und Tag, zwischen Zweifel und Hoffnung, zwischen dem, was war, und dem, was erst noch werden soll. So gehe ich durch die Stille und denke an die Frauen am Grab. Auch sie kamen früh, mit schweren Herzen, mit offenen Fragen. Sie suchten einen Ort des Endes und fanden den Anfang.

Das Grab ist leer. Ein Satz, so schlicht und doch unfassbar. Er widerspricht allem, was wir kennen. Denn wir sind vertraut mit Abschied, mit Verlust, mit dem, was endgültig scheint. Aber Ostern stellt sich dieser Erfahrung entgegen. Es sagt uns, dass das Leben stärker ist. Nicht laut, nicht aufdringlich, sondern leise und beharrlich, wie das erste Licht, das jetzt den Horizont berührt.
In mir wird es heller, während ich weitergehe. Ich will darauf vertrauen, dass die Hoffnung nicht erst dann kommt, wenn alles gut ist, sondern genau dort, wo wir sie am wenigsten erwarten. Dass Gott uns nicht nur im Glanz begegnet, sondern gerade in unseren finsteren Stunden, wenn wir uns verloren fühlen.

Die Kirchentür ist offen und drinnen empfangen mich Stille und Dunkelheit. Es sammeln sich Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen Sorgen, seinen Sehnsüchten. Dann flackert ein erstes Licht auf. Eine Kerze wird an der anderen entzündet. Es beginnt ganz klein. Das Licht wandert von Hand zu Hand, von Mensch zu Mensch. Es fragt nicht, wer du bist oder was du mitbringst. Es erreicht dich einfach und bringt dein Gesicht zum Leuchten. Und mit jedem Lichtschein wird der Raum heller, wärmer, lebendiger. Es ist dieser eine Satz, der uns in diesem Moment über alle Grenzen hinweg miteinander verbindet: Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes und lichtvolles Osterfest!


Nele Fornoff, Vikarin in der Gesamtkirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach