Unter dem Motto “Aufstehen für Frieden und Gerechtigkeit” hat in Haiger-Langenaubach am Sonntag Jubilate (26. April) ein ökumenischer Gottesdienst im Rahmen der "Woche der Arbeit" stattgefunden. Es wurde zu mehr Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. Die Liturgie wurden von Prädikant Dr. Uwe Seibert und den Mitgliedern des Bündnisses “Woche der Arbeit” gemeinsam gestaltet.
In seinem “Weltlichen Einwurf” sagte Oliver Scheld (1. Bevollmächtigter der IG Metall Herborn-Betzdorf) im Gottesdienst: Der Ton in der Gesellschaft werde rauher. Er warnte vor einer Spaltung der Gesellschaft und warb für mehr Dialog. Jeder könne schon im Kleinen dazubeitragen, dass die Welt friedlicher und solidarischer werde. Frieden sei nicht das Fernbleiben von Streit. Frieden entstehe durch Gerechtigkerit - das beinhalte, die anderen Menschen als Gegenüber zu sehen und für Schlechtergestellte Verantwortung zu übernehmen. Er warb für kleine Schritte dorthin - im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Familie und schließlich in der Gesellschaft.
Von den Ärmsten nehmt ihr Pachtgeld und verlangt auch noch Getreideabgaben. Darum macht euch auf die Strafe gefasst: Ihr habt euch zwar prachtvolle Häuser aus behauenen Steinen gebaut, doch ihr werdet nicht darin wohnen! Ihr habt euch herrliche Weingärten angelegt, doch ihr werdet keinen Wein daraus trinken!
Dekan Andree Best griff in seiner Predigt auf ein Wort des Propheten Amos (Kapitel 5, Vers 11) zurück: Die alttestamentlichen Worte des Amos von Unterdrückung der Armen und zu hohen Pachtgeldern sowie der Anhäufung von Luxus klingen nach wie vor aktuell. "Wo Gerechtigkeit fehle, bleibe der Frieden nicht lange", sagte Best. Die Schere zwischen Arm und Reich - sie klaffe immer weiter auseinander. In seiner Predigt sagte Dekan Andree Best, die Bereitschaft zu Dialog und zu Veränderung könne der Schlüssel für mehr Gerechtigkeit in einer Gesellschaft sein. Was Gewerkschaften mit Solidarität bezeichnen, mag bei Christen Nächstenliebe heißen. Es gehe in erster Linie nicht um Wahrung des Besitzes, nicht um Erfüllung von Vorgaben - auch nicht darum Streit zu verhindern. Im Gegenteil, Streit sei - so der Dekan - immer konstruktiv, wenn Konsens und Miteinander möglich seien. Dort, wo hinter Zahlen plötzlich Menschen sichtbar werden, werde es Entscheidungen beeinflussen. Mit dem biblischen Gleichnis vom Weinstock schloss Best seine Predigt: Wenn wir miteinander verbunden bleiben und etwas gemeinsam schaffen, kann das Früchte für andere tragen.
Den ökumenischen Gottesdienst gestalteten musikalisch Hanna Kaiser an der Orgel und am Klavier sowie Klaus Breunig-Schüller mit einem Charango zur Liedbegleitung.
Dr. Uwe Seibert lud im Anschluss an den Gottesdienst zu den nächsten Veranstaltungen im Rahmen der "Woche der Arbeit" ein. Den Gottesdienst wie auch die Veranstaltungen insgesamt haben die Gewerkschaften DGB, GEW, IG Metall und Ver.di haben zusammen mit dem Evangelischen Dekanat an der Dill, der Regionalen Diakonie Dillenburg-Limburg, der Katholischen Kirche, der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Johanneum Gymnasium und der Stadt Herborn vorbereitet. Die "Woche der Arbeit" findet seit 2002 jedes Jahr in der Dillregion statt.