In der Reihe „Um 7 – Aktuelles im Gespräch“ – Dialog für eine Stunde am Mittwoch, 6. Mai 2026, von 19 bis 20 Uhr sprach Andreas Goetze vom Zentrum Oekumene mit Pfarrerin Anja Vollendorf zum Thema: "Frieden wagen in herausfordernden Zeiten".
Pfarrerin Anja Vollendorf ist Vorsitzende des ökumenischen friedenkirchlichen Netzwerks "Church and Peace" und Mitglied im Laurentiuskonvent, stellvertretende Dekanin im Evangelischen Dekanat an der Dill und Pfarrerin der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).
Frieden suchen in konfliktreichen Zeiten – wie kann das gehen? In Zeiten, in denen Krieg von autokratischen Herrschern als Mittel der Politik eingesetzt wird, wird eine pazifistische Haltung vielfach als naiv angesehen. Sicherheit durch Aufrüstung ist stärker in den Mittelpunkt gerückt. Das gilt auch für die umstrittene neue Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit dem Titel „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick. Evangelische Friedensethik angesichts neuer Herausforderungen“.
Passen der notwendige Schutz vor Gewalt – auch militärisch – und eine jesuanische Friedensethik zusammen? Was sind Bedingungen für den Weg hin zu einem gerechten Frieden? Wie können in einer Welt in Unordnung Gewalt und ihre Strukturen eingedämmt werden für eine lebenswerte Zukunft? All diese Fragen spielten eine Rolle.
Anja Vollendorf setzte sich in einem einführenden Vortrag kritisch mit der neuen Friedensdenkschrift der EKD auseinander. Anschließend war genügend Zeit und Raum für einen Austausch mit den Teilnehmenden. Dr. Andreas Goetze vom Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW übernahm die Moderation. Im Fokus der Diskussion stand die Frage, ob die in der Denkschrift angelegte Priorisierung des Schutzes vor Gewalt vor den anderen drei Dimensionen des Gerechten Friedens (Förderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und friedensfördernder Umgang mit Pluralität) vertretbar ist. Diskutiert wurde auch der Einfluss der sogenannten Zwei-Reiche-Lehre aus der lutherischen Orthodoxie auf die Denkschrift und die Betonung einer erlösungsbedürftigen Welt gegenüber dem gelegentlichen Hoffnung stiftenden “Aufleuchten” des Reiches Gottes.
Uwe Seibert, im Evangelischen Dekanat an der Dill verantwortlich für die Fachstellen “Mission und Ökumene” und “Gesellschaftliche Verantwortung”, lobte die Form des Formats, ein solches Gespräch über ein Thema per Zoom zu führen und auf eine Stunde zu begrenzen. “Es war ein guter und kritischer Einblick in die neue Friedensdenkschrift der EKD. Hilfreich war für mich auch der Hinweis auf Friedensgruppen und Institutionen wie das Ökumenische Institut für Friedenstheologie, wo man sich intensiv mit der Frage nach dem besten Weg zum Frieden beschäftigt”, sagt er.
Veranstalter war das Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg (KEB Diözesan-Bildungswerk) und dem Religionspädagogisches Institut der EKKW und EKHN.