Der Leib als Tempel

veröffentlicht 22.05.2026 von Roland Friedrich, Dekanat an der Dill

Pfarrer Roland Friedrich über den Leib als Tempel für den Geist Gottes...

Wann haben sie das letzte Mal etwas für ihren Leib getan? Wann haben sie ihn zuletzt bewusst wahrgenommen und gespürt? Nicht, weil es zwickt und zwackt, weil sich Schmerzen gemeldet haben, sondern im staunenden und wohligen Spüren ihres Körpers? 

In der Bibel heißt es bei Paulus: Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt?“ Paulus spricht von unserem Leib als Tempel. Tempel gibt es in unserem Land eher kaum, wir kennen sie meist aus exotischen Ländern als besondere Orte, heilige Räume der Stille. Orte, die einem in Bann ziehen. 

Als Paulus diese Worte schrieb, hatte er die konkrete Situation damals in Korinth vor Augen. Da gab es den antiken Kult um gestählte Körper, da gab es die Gnostiker, die den Leib verachteten und alles Irdische als Übel ansahen. Paulus dagegen sieht den Menschen als Ganzes, der auch in seiner Leiblichkeit geschaffen und dafür verantwortlich ist. Der Geist Gottes wohnt nicht nur in der Seele des Menschen, sondern eben auch im Leib, den wir vom Schöpfer erhalten und für den wir Sorge zu tragen haben, eben damit Gottes Geist darin wohnen kann.

Darum auch das rechte Maß zu finden bei Essen und Trinken, zwischen Ruhe und Bewegung, zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Arbeit und Müßiggang, zwischen Alleinsein und Gemeinschaft pflegen. Kenne ich meine Kraftquellen und -orte, an denen mein Leib sich regenerieren und neu beleben kann?

Von Teresa von Avila gibt es den wunderbaren Ausspruch: „Tue deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen!“ Im Sinne des Paulus: „Tue deinem Leib Gutes, damit Gottes Geist Lust hat, darin zu wohnen.“

Mich beeindruckt dieser Gedanke, denn allzu oft ist mein „Tempel“ voll: mit meinen Gedanken und Ablenkungen, mit Emotionen, Erwartungen und Enttäuschungen. Wie schwer tun wir uns, einen Moment still zu sein? Müsste ich meinen Tempel ausmisten, ihn leerfegen, damit Raum ist für den Geist Gottes? Einkehrtage, Stille im Alltag können hilfreiche Auszeiten sein. 

„Wer innehält, erfährt innen Halt und Inhalt!“ So erspüre ich immer wieder, wie Gott mir näherkommt, gewinne Zugang zu meinem Leib, in dem der Geist Gottes zu Hause sein möchte.
 

Roland Friedrich ist Pfarrer in der Ev. Gesamtkirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach