Das Klima und der Glaube

veröffentlicht 13.07.2026 von hjb, Dekanat an der Dill

Nur über das Klima schimpfen, ist zu wenig, sagt Mark Philip Stadler.

Von Mark Philip Stadler 

In diesen Tagen des Frühsommers werden wir unweigerlich damit herausgefordert, wie gut wir unsere Lebensweise den tropenähnlichen Klimabedingungen entsprechend anpassen können. Der menschengemachte Klimawandel macht sich bei Temperaturen von fast 42 Grad bemerkbar. 

Im Juni gab es eine gesteigerte Zahl an Todesfällen, von denen ausgegangen wird, dass sie als Folge des Klimawandels einzustufen sind. Erste Waldbrände breiten sich bereits jetzt aus und ein „Super El Niño“ ist im weiteren Verlauf dieses Jahres angekündigt. 

Menschen in der Pflicht, die Natur zu pflegen und das Klima zu schützen 

Neue theologische Ansätze zeigen, wie Religionen heute auf den Klimawandel eingehen. Die Klimatheologie, ein noch junges Arbeitsfeld, das Umweltschutz und Glauben verbindet, lehrt uns, wie der Mensch sich für die Erde als Gottes Schöpfung einsetzen soll: Weil Gott die Welt liebt, sind Menschen in der Pflicht, die Natur zu pflegen und das Klima zu schützen. Aus der Klimatheologie heraus wird theologisch begründet, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen und sich „klimapositiv“ zu verhalten. 

Die Erde ist ein von Gott geschaffener, einzigartiger und schützenswerter Lebensraum. Den Menschen ist die Aufgabe der Bewahrung der Schöpfung zuteil geworden. Jedoch sind von den insgesamt 16 definierten Klima-Kippelementen laut der Klimaforschung bereits mindestens vier bis fünf Punkte akut gefährdet oder überschritten. Wir befinden uns mitten im sechsten großen Massenaussterben von Tieren und Pflanzen in der Erdgeschichte. Die Menschen betreiben einen Raubbau an der Natur und an Ressourcen. Darunter leiden viele arme Länder im globalen Süden. 

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun ...“ 

Die Klimatheologie nimmt den Menschen in die Verantwortung – als Individuum und in der Gemeinschaft: Jeder Mensch kann und sollte einen kleinen, aber entscheidenden Beitrag leisten. Klimatheologie ist auch eine Theologie der Hoffnung, denn sie spendet Zuversicht für eine Zukunft, in der wir im Einklang mit der Natur und dem Klima leben. 

Das 1,5-Grad-Ziel kann noch erreicht werden. Es liegt in unserer Hand, denn: „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht dieser Welt verändern.“ 

Im Sinne dieses afrikanischen Sprichworts wünsche ich Ihnen einen schönen Sommer! 
 

Mark Philip Stadler ist Vikar in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Herborn-Mittenaar-Siegbach