Bitte wenden!

veröffentlicht 03.11.2026 von Lea-Katharina Müller, Dekanat an der Dill

Die Stimme aus dem Navi empfiehlt eine Kurskorrektur. Der Buss- und Bettag lädt dazu ein...

Bitte wenden”, das sagt das Navi, wenn ich mal wieder falsch abgebogen bin. Heute berechnet es die Route meistens einfach neu. Aber wäre Wenden nicht einfacher gewesen? Einfach neu anfangen, neu starten und dem Ganzen eine neue Chance geben?

So ein Navi wünsche ich mir manchmal auch für mein Leben. Eines, das nicht einfach kommentarlos eine neue Route berechnet, sondern mir sagt: Bitte wenden.

Zum Beispiel dann, wenn ich merke: Hier, wo ich jetzt unterwegs bin, da habe ich mich verrannt. Das war keine gute Idee. 

Aber wie oft mache ich dann trotzdem einfach weiter und denke: Naja, wird schon irgendwie gehen, hoffentlich merkt es keiner. Denn Wenden kostet Mut.

Ich muss mir eingestehen, dass ich vielleicht falsch abgebogen bin. Dass ich etwas anders machen möchte. Dass eine Entscheidung nicht gut war oder ein Weg nicht mehr zu mir passt.

Aber im Wenden liegt auch eine große Chance: Ich kann neu anfangen. Ich kann eine andere Richtung einschlagen. Ich darf mir zutrauen: Mit mir kann etwas Neues beginnen.

Gott traut mir dieses Wenden zu. Gott weiß, dass ich im Leben manchmal falsch abbiege, anders als geplant unterwegs bin. Aber Gott lässt mich dabei nicht allein.

Bei Gott darf ich wenden. Ich darf neu anfangen. Ich darf Fragen meines Lebens noch einmal stellen und vielleicht neue Antworten darauf finden. 

Der Buß- und Bettag lädt in diesem Jahr dazu ein, sich selbst zu fragen: Auf welchen Wegen bin ich gerade unterwegs, welche möchte ich weitergehen? Und wo wäre es vielleicht gut zu hören: Bitte wenden – damit etwas Neues beginnen kann?

Lea-Katharina Müller ist evangelische Pfarrerin in Burghaun

 


Hintergrund Buß- und Bettag
 

Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christinnen und Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Fremdenhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Menschen. Der Feiertag wurde vor einigen Jahren allerdings zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.

Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden meist am frühen Abend zu Andachten ein, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die hohe Resonanz auf dieses Angebot belegt, dass der Bußtag im Leben vieler Menschen nach wie vor tief verwurzelt ist.