Ev. Dekanat an der Dill

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Dritter Advent

Advent mal Bildlich: Josefs Traum

Fünf Bilder führen in die Adventszeit: Wir laden Sie zu ganz unterschiedlichen Bildbetrachtungen ein. Entdecken Sie neue Zugänge in den Advent. Im dritten Beitrag stellt Pfarrer Andree Best ein aus Stein gehauenes Bild von Giovanni d'Enrico unter dem Motto "Josefs Traum" vor.

Josefs erster Traum:
Giovanni d'Enrico
(Kapelle IV des Sacro Monte di Varallo)

Bildbetrachtung von Pfarrer Andree Best

Advent ist auch die Zeit des Träumens. Ein Traum davon, wie die Welt sein könnte, oder zumindest das bevorstehende Weihnachtsfest: friedlich, gemütlich, heimelig – einfach schön eben.

Davon erzählt das Bild, das ich Ihnen mitgebracht habe: Es ist kein Gemälde, sondern ein gehauenes Bild.

Der Bildhauer Giovanni d’Enrico hat hier Josef in Ton geformt und ihn in die Kapelle des Sacro Monte in Varallo im Piemont gesetzt. Und da sitzt er und träumt. Kurz mal eingenickt, so sieht es aus.

Auf einem einfachen Stuhl, ein einfacher Mann, mit großen Händen und den beiden Füßen auf dem Boden. Ein Handwerker, ein Schaffer, eigentlich kein Träumer.

Aber offensichtlich ist er erschöpft, müde vom vielen Nachdenken über die Frage, was er nun tun soll. Gerade hat er erfahren, dass seine Liebste, seine Verlobte, die schöne, junge Maria, schwanger ist, aber nicht von ihm! Nach jüdischem Recht dürfte er sie nun verlassen, er müsste sie sogar öffentlich anklagen.

Aber er will sie nicht bloßstellen und daher überlegt er, die Verlobung heimlich aufzulösen (Mt. 1, 19). Josef ist hin- und hergerissen. Es lässt ihm keine Ruhe: “Should i stay or should i go?” „Soll ich gehen, oder bleiben?“

Es wird ihm den nächtlichen Schlaf geraubt haben, wem würde es das nicht tun. Also nickt er ein, mittendrin, im Tag, im Tagwerk, in seinem Wirrwarr im Kopf. Doch noch ehe Josef handeln kann, handelt Gott. Gott sendet ihm im Traum einen Engel und der sagt: „Fürchte dich nicht, Mann! Hol deine Frau nach Hause. Kümmere dich um das Kind, auch wenn es nicht das deine ist. Du bist Teil des göttlichen Plans.“

Wir erfahren nicht viel von Josef. Er redet nicht. Keinen einzigen Satz im Neuen Testament. Aber er wird handeln! Er wird eine Entscheidung treffen: Er wird fortan Ehemann sein. Er wird ein Vater für das Kind sein, das nicht das seine ist.

Er findet seine Rolle in dieser Weihnachtsgeschichte und nimmt sie an. Mit aller Ernsthaftigkeit und aller Fürsorge, die diese Entscheidung mit sich bringen wird. Er wird verantwortungsvoll im Hintergrund agieren und Weihnachten den Protagonisten des Festes überlassen: Maria und dem Kind. Aber er wird sich kümmern. Wird tun, was getan werden muss.

Während der Heiland zur Welt kommt, wird er die Lampe halten. Und wer weiß, vielleicht wird er die Nabelschnur durchschneiden und das kleine Leben ins Leben entlassen? Wer weiß? Die „Heilige Familie“ ist die nicht Traumfamilie von Vater, Mutter und Kind. Es ist die Familie, die erst durch Josefs Traum entstehen konnte – mit Geburtswehen von Anfang an.

Josef träumt von einer Familie wie sie sein kann und entscheidet sich in der Spannung von Freiheit und Verantwortung, von Enttäuschung und Liebe für den schwereren Weg. Fortan wird er auf zahlreichen Bildern wehrhaft mit dem Stab und Fürsorglich mit der Lampe dargestellt. Ein Mann der Tat, nicht der großen Worte.

Aber bis dahin lassen wir ihn noch einen Moment schlafen und träumen, sein Weg wird anstrengend sein und ihn noch viel weiter führen als er sich überhaupt nur vorstellen kann.

Schleichen wir uns leise davon in unseren Advent, in unsere Familien. Träumen wir davon, wie Weihnachten sein könnte, und ahnen es schon, dass es anders wird. Es sind nicht die klassischen Rollenbilder, die Weihnachten möglich machen. Nicht die „Heile Welt“.

Es ist unsere Entscheidung zur Verantwortung. Eine Entscheidung, die auch unser liebender Vater, Gott, für uns, seine oftmals so hilflosen Kinder, übernimmt. Auch er nimmt sich seiner Kinder an – wie nur ein Vater mit Verantwortung es kann. Träumen wir doch noch ein bisschen davon.

 

Andree Best ist evangelischer Pfarrer in Herborn im Evangelischen Dekanat an der Dill.

 


Evangelium nach Matthäus Kapitel 1, 19 ff

Jesu Geburt und Josefs erster Traum

 

18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenkamen, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist.
19 Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.
20 Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist.
21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.
22 Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht:
23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25 Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

 

Hintergrund zum gehauenen Bild "Josefs erster Traum"

 

Die Sacri Monti im Piemont und in der Lombardei sind neun weitläufige Kapellenanlagen und andere Pilgerstätten, die im späten 16. und 17. Jahrhundert auf Bergen und an Seen errichtet wurden und jeweils die Verehrung bestimmter Aspekte des christlichen Glaubens zum Ausdruzck bringen. 

Die Kapelle IV widmet sich dem Thema "Josefs erster Traum". Es zeigt Josef auf einem Stuhl sitzend und einen Engel. Im Hintergrund sitzt seine Verlobte Maria an einer Näharbeit.


» Mehr dazu unter  https://www.sacrimonti.org/de/sacro-monte-di-varallo/punto-di-interesse/-/d/cappella-4-primo-sogno-di-giuseppe

 

 

 

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